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Während Menschen mit einer Demenzerkrankung bislang vorwiegend in Pflegeheimen untergebracht waren, gibt es seit einigen Jahren in Deutschland auch einige andere Alternativen: Demenzdörfer. Das erste und gleichzeitig das bekannteste davon – das Demenzdorf Tönebön am See in der Nähe von Hamel – besteht seit 2014. Mittlerweile gibt es jedoch auch in anderen Gegenden ähnliche Projekte.

Das Konzept dieser Einrichtungen basiert unter anderem auf folgenden Punkten:

  • ein eingezäuntes Dorf, in dem die Patienten geschützt sind
  • vollkommene Bewegungsfreiheit innerhalb des Dorfes
  • keine Konfrontation mit der Außenwelt, um Frustration zu vermeiden
  • Simulation eines normalen Alltags durch Minimarkt, Café und ähnliche Einrichtungen
  • Einbindung in tägliche Arbeiten: kochen, Wäsche waschen etc.

Welche Vorteile bietet das Demenzdorf?

Die Initiatoren der Demenzdörfer betonen, dass die Bewohner hier trotz ihrer Krankheit eine große Freiheit genießen. Innerhalb der Anlage können sie sich vollkommen frei bewegen. Der Zaun, der das Grundstück umgibt, schützt sie dabei vor Gefahren.

So können die Patienten dem Bewegungsdrang, den sie häufig aufgrund ihrer Krankheit empfinden, weitestgehend ungehindert ausleben, ohne sich dabei selbst in Gefahr zu begeben.

Die Simulation eines normalen Alltags sorgt für eine hohe Lebensqualität,
da die Betroffenen hier nicht ständig mit ihren eigenen Unzulänglichkeiten konfrontiert werden.

  • Die Einbindung in hauswirtschaftliche Tätigkeiten oder in die Gartenarbeit fördert die Aktivität und damit sowohl die körperliche als auch die geistige Gesundheit.
  • Außerdem haben die Patienten auf diese Weise das Gefühl, nach wie vor gebraucht zu werden.

Kritiker: Abschottung der Kranken von der Außenwelt

Neben den zahlreichen positiven Stimmen gibt es jedoch auch viel Kritik an den Demenzdörfern. Insbesondere die Einzäunung sorgt dabei für kontroverse Diskussionen.

Die Gegner dieser Projekte sagen, dass die Patienten auf diese Weise eingesperrt werden. Außerdem betonen sie, dass die Gesellschaft die Kranken aus dem öffentlichen Leben aussperre und wie Aussätzige behandle.

Darüber hinaus halten die Kritiker die Scheinwelt, die in diesen Dörfern aufgebaut wird, für nicht akzeptabel.

Unterbringung in einem Demenzdorf: Entscheidungshilfen

Wenn einer Ihrer Angehörigen an Demenz leidet, ist es oftmals schwierig, eine Entscheidung über eine geeignete Unterbringung zu treffen.

Sicherlich ist die häusliche Pflege eine gute Alternative. Doch stößt diese im Verlauf der Krankheit fast immer an ihre Grenzen.

In diesem Fall müssen Sie abwägen, ob Sie den Aufenthalt in einem Heim oder die Welt eines Demenzdorfs vorziehen.

Eine gute Entscheidungshilfe stellt es dabei dar,
verschiedene Einrichtungen zu besuchen, um sich ein Bild von der Unterbringung zu machen.


Bild: © Smileus / stock.adobe.com