Sie sind hier

Trauer: Erleben lernen, was der Tod nicht nehmen kann

Fragen zum Artikel?

Die Höchstpersönlichkeit der Trauer

Trauer hat unendlich viele Gesichter, weil sie stets das Ende einer einzigartigen Beziehung beschreibt. Sie ist ein vom Verlust eines geliebten Menschen ausgelöster Bewältigungsprozess.

  • Trauer wirft etwas von der Persönlichkeit des Verstorbenen zurück, reflektiert, wie ein Mensch von anderen wahrgenommen wurde.
  • Trauer ist die Reaktion der Seele des Zurückbleibenden.
  • Sie kann aus Verzweiflung, aus Wut, aus Angst bestehen, sie kann diese Elemente miteinander mischen oder in Phasen durchlaufen.
  • Es gibt kein Patentrezept, wie Trauer richtig abzulaufen hat, denn sie ist höchstpersönlich.

Niemand entkommt solch einschneidenden Abschieden, denn alles Leben endet irgendwann.
Immer wieder gelingt es dem Tod, trotz eindeutiger Ankündigungen, die Menschen zu überraschen. Beflissentlich blenden sie alle noch so deutlichen Anzeichen aus: noch ist es nicht so weit, noch ist Zeit.

Im Moment des Todes ist der Hinterbliebene von der Endgültigkeit des Abschiedes überwältigt. Erst jetzt sickert das Begreifen des unwiederbringlich letzten Atemzugs ins Bewusstsein. Das Loslassen der bis zuletzt gehaltenen, sich nun rapide abkühlenden Hand unterstreicht die Bedeutung der Worte „nie mehr wieder“.

Der Tod einer geliebten Person teilt das Leben der Angehörigen in zwei Abschnitte.
Fortan gibt es ein Davor und Danach – eine überwältigende Situation, mit der manche Menschen kaum umgehen können.

Trauer und Abschied

Für den Verlauf des Trauerprozesses ist es von größter Wichtigkeit, dass sich der gegenseitige Abschied noch zu Lebzeiten in Ruhe und Geborgenheit vollziehen konnte.

Im Idealfall gibt es nichts mehr, was zwischen dem Verstorbenen und seinen Angehörigen steht,
weil alles ausgeräumt und ausgesprochen wurde. Es ist für den Frieden der Beziehung unerheblich, ob die Klarstellung durch Worte oder Gesten erfolgte.

Menschen, denen der Abschied von einer geliebten Person misslingt, verkomplizieren ihren Trauerprozess gehörig, im Extremfall kommt es zur Blockade. Sie quälen sich jahrelang und können nicht loslassen, weil sich andere Gefühle wie Wut oder Verletztheit als Trauer maskieren, die mit ihr wenig zu tun haben.

Wenn Trauer zu dauerhaftem seelischen Leid und zur echten Qual wird, ist professionelle Hilfe angesagt.

Der Tod als Änderung einer aufrechten Beziehung

Der immer dynamischer und durch Durchhalteparolen geprägten Welt ist die Kultur der Verabschiedung nicht mehr als Alltägliches vertraut. Über Jahrtausende hinweg hat sie in unterschiedlichsten Ritualen Gesten gesetzt:

  • Zeichen des Respekts
  • der Ehrerbietung
  • der Liebe
  • der Dankbarkeit einer Gemeinschaft gegenüber dem Toten

Die Angehörigen trösten und stützen sich und sprechen einander Hoffnung und Mut mit Blick auf die Zukunft zu. Solche Rituale tragen dazu bei, dass sich der anfangs überbordende Schmerz wieder beruhigen kann.

Der größte Trost: Der Tod ist nicht in der Lage, das Leben eines Menschen ungeschehen zu machen. Er kann eine Beziehung, er kann die Liebe nicht auslöschen, er kann sie nur verändern.

Trauerarbeit im Überblick

  • Trauer als höchstpersönlicher Prozess mit unbestimmten Ablaufdatum: Es ist in Ordnung, sich Zeit zu nehmen. Es ist Ihre Trauer, Ihr Prozess.
  • Der Unterschied von Trauer und Abschied: Wer an Ungelöstem festhält, kann sich nicht verbschieden. Die Trauer wird zermürbender.
  • Der Tod als Änderung einer aufrechten Beziehung: Sprechen Sie über das, was war und sprechen Sie auch über sich und Ihre Gefühle. So leisten Sie effektive Trauerarbeit.

Bild: © James Steidl / stock.adobe.com