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Es ist ein Thema, das im Alltag lieber ausgeblendet wird: wenn engste Angehörige Pflege brauchen. In solchen emotionalen Momenten ist es schwer, rationale Entscheidungen zu treffen und sich mit finanziellen Fragen zu beschäftigen. In diesem Artikel erfahren Sie als Familienmitglied, ob Sie für die Betroffenen haftbar sind und mit welchen Kosten Sie ungefähr rechnen müssen.

Pflegekosten – häufig reichen Rente und Pflegeversicherung nicht aus

Viele denken, dass die gesetzliche Pflegeversicherung die gesamten Pflegekosten übernimmt. Doch diese Unterstützung reicht häufig nicht aus.

Das Statistische Bundesamt gab 2015 beispielsweise die durchschnittlichen Kosten für einen Heimaufenthalt bei Personen mit Pflegestufe III mit monatlich knapp 3200 Euro an. Nach dem zwischenzeitlich erneuerten Pflegegesetz entspricht die damalige Pflegestufe III dem Pflegegrad 4 oder 5, für den die Versicherung 1775 beziehungsweise 2005 Euro bezahlt (Stand 2017).

Die Differenz zahlen die Pflegebedürftigen selbst – entweder über eine zuvor abgeschlossene Pflegezusatzversicherung oder durch ihre Rente und ihr Vermögen. Betroffene ohne Zusatzversicherung können diese Kosten oft nur schwer alleine stemmen.

Wann müssen Kinder für die Pflegekosten aufkommen?

Wenn Ihre Eltern die Kosten für das Pflegeheim nicht selbst tragen können, hilft zunächst das Sozialamt aus. Allerdings fordert dieses die benötigten Beträge von den unterhaltspflichtigen Familienangehörigen zurück. Das sind in der Regel die Kinder, in manchen Fällen auch die Enkelkinder. Nur wenn Folgendes zutrifft, sind die Angehörigen unterhaltspflichtig:

  • Die Eltern oder Großeltern können selbst nicht für die Pflege aufkommen und ihr Vermögen ist aufgebraucht.
  • Es besteht keine private Pflegezusatzversicherung, die die Kosten übernimmt.
  • Sie verfügen über ein ausreichendes Einkommen oder über ein hohes Vermögen.

Welche Kosten kommen auf die Kinder zu?

Die Kosten, die Sie für den Unterhalt Ihrer Eltern übernehmen müssen, hängen vom Einzelfall ab.

Die maximale Höhe liegt dabei stets bei dem Teil der Pflegekosten, der durch die Pflegeversicherung nicht gedeckt ist.

Außerdem gibt es bestimmte Schongrenzen.
Wenn Sie derzeit beispielsweise als Alleinstehender weniger als 1800 Euro verdienen, müssen Sie keinen Unterhalt bezahlen. Der Freibetrag steigt durch Ehepartner und unterhaltspflichtige Kinder weiter an. Nur den Teil, der oberhalb dieser Grenze liegt, müssen Sie für die Pflege Ihrer Eltern ausgeben.

Auch beim Vermögen gibt es bestimmte Grenzen.
Beispielsweise kann eine selbst genutzte Immobilie nicht für die Finanzierung der Pflege herangezogen werden.


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