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Nein aus Liebe: Warum es wichtig ist, auch mal an sich zu denken

Angehörige zu pflegen, ist körperlich anstrengend und zehrt an den Nerven. Manchmal zieht sich die Pflege über Jahre. Im Durchschnitt sind es rund acht Jahre, die Angehörige pflegen. Sie sind meist rund um die Uhr für den Pflegebedürftigen im Einsatz, kochen und reichen Essen an, helfen beim Anziehen und Waschen und sind auch nachts zur Stelle. Zusätzlich erleben sie hautnah mit, wie der geliebte Mensch immer mehr abbaut. Auch die neue Rollenverteilung führt oftmals zu Konflikten. Diskussionen mit den Pflegebedürftigen, Kämpfe in der eigenen Familie - all das kann enorm belasten. Viele pflegen bis sie irgendwann am Ende ihrer Kräfte sind.

Wie erkennt man eine Überbelastung?

Die ersten Anzeichen für eine Überbelastung sind neben allgemeinem erschöpft sein, meist einhergehend mit Schlafstörungen oder Schlaflosigkeit, Rücken-, Nacken- und Schulterschmerzen, Muskelverspannungen, Kopfschmerzen, Magen- und Verdauungsproblemen, Gewichtsschwankungen oder Haarausfall. Natürlich sind die Anzeichen von Mensch zu Mensch verschieden, aber dennoch sollte man diese Warnsignale ernst nehmen und rechtzeitig dagegen steuern.

Daher ist es sehr wichtig, auch mal an sich selbst zu denken und sich Auszeiten zu nehmen. Dies muss nicht bedeuten, dass man sich gleich in den Urlaub verabschiedet und seine Koffer packt. Wichtig ist herauszufinden, welche Belastungen einem am meisten zu schaffen machen. Sind es die ständigen Konflikte mit dem Pflegebedürftigen? Fehlt mir der Austausch mit anderen Betroffenen und fühle ich mich überfordert? Fällt mir die körperliche Belastung zunehmend schwerer? Oft hilft es schon, wenn man über seine Probleme spricht. Der Austausch mit anderen Betroffenen zeigt einem, dass man nicht alleine mit diesem Problem ist, man nicht versagt und diese Ängste ganz natürlich sind. Diese Erleichterung und das Wissen, nicht alleine zu sein, ist für viele sehr beruhigend. 

Warum es so wichtig ist, sich Grenzen zu setzen

Ebenfalls ist es wichtig, dass man sich Grenzen setzt. Aus Nächstenliebe, schlechtem Gewissen oder Pflichtgefühl muss man nicht zu allem JA sagen. Wenn man genau weiß, dass man nervlich angespannt ist und der nächste Konflikt das Fass zum Überlaufen bringen könnte, dann ist es die bessere Wahl, sich zurückzuziehen, die Arbeit ruhen zu lassen und mal an sich zu denken. Ein Spaziergang hilft, den Kopf wieder frei zu kriegen. Eine schöne Tasse Tee oder Kaffee mit einem Stück Kuchen tut der Seele gut und man kann ganz in Ruhe und nur mit sich den Augenblick genießen. Bewusste Ruhephasen im Alltag können Spannungen abbauen, die sich während des Tages aufgestaut haben.

Welche Entspannungsmethoden gibt es?

Eine weitere Form, um Stress abzubauen, wäre die aktive Entspannung. Vielen hilft es, sich bei einer Joggingrunde auszupowern und den Kopf frei zu kriegen. Doch auch andere Techniken wie autogenes Training, progressive Muskelentspannung oder Meditation sorgen für mehr Ruhe und Gelassenheit. Yoga empfiehlt sich besonders, um Körper, Geist und Seele wieder in Einklang zu bringen. So tut man seinen geschundenen Gliedern etwas Gutes und kann sich gleichzeitig fallen lassen und entspannen.

Auch sollte man sich nicht scheuen, professionelle Hilfe bei der Pflege in Anspruch zu nehmen. Eine ausgewogene Mischung aus  Pflege von Dienstleistern und persönlicher Betreuung durch Angehörige ist ein guter und praktikabler Weg. Ein Pflegedienst entlastet  alle Beteiligten. Es bleibt mehr Zeit für die schönen Dinge mit dem Angehörigen, zum Beispiel ein Spaziergang. Außerdem gibt es einem einen zeitlichen Freiraum, den man für sich und seine eigenen Angelegenheiten nutzen kann. Manchmal ist es den Pflegebedürftigen auch ganz recht, intime Angelegenheiten von professionellen Helfern begleiten zu lassen, um unangenehme Situationen mit den Angehörigen zu vermeiden.

Egal für welche Methode man sich entscheidet, wichtig ist es, sich bei all den Aufgaben nicht selbst zu vergessen. Niemandem ist geholfen, wenn man selbst am Ende seiner Kräfte ist. 

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