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Professionelle Pflege: Konflikte zwischen Pflegebedürftigen und Pflegeheimen

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Die Mehrheit der Deutschen ist unzufrieden mit der Situation in der Pflege. Bei einer Umfrage des Instituts Infratest dimap für den SWR gaben 80 Prozent der Befragten an, wenig oder gar kein Vertrauen in die Pflegekompetenz von Heimen zu haben.

Woher stammt das schlechte Image von Pflegeheimen?

Oft liest man in der Presse von den desolaten Zuständen in den deutschen Pflegeheimen. Bewohner liegen sich dort wund, weil sie nicht fachgerecht gelagert wurden; alte Menschen sind dehydriert, weil niemand Zeit hat, ihnen Getränke anzureichen. Viele Familien haben auch die Erfahrung gemacht, dass ihre Angehörigen nicht ausreichend oder ihrem Standard entsprechend betreut werden.

Welche Konflikte gibt es zwischen den Familien der Pflegebedürftigen und dem Pflegepersonal?

Die häufigsten Konflikte zwischen den Angehörigen der Pflegebedürftigen und den professionell Pflegenden sind die Themen:

  • Essen
  • Körperhygiene
  • Medikation
  • Mobilisierung
  • geistiger Abbau

So hört das Pflegepersonal sehr oft Sätze wie „Warum liegt meine Mutter dauernd im Bett? Jedes Mal wenn ich sie besuche, liegt sie im Bett.“ Doch auch, wenn das Pflegepersonal die Mutter gefragt hat, ob sie spazieren will, wird die Antwort meist nicht mehr gehört. Auch bei der Dosierung von Medikamenten gibt es oft unterschwelliges Mistrauen zwischen den Angehörigen der Pflegebedürftigen und dem Personal. Sieht die Tablette mal anders aus wird gleich eine falsche Medikation vermutet statt ein andersfarbiges Generikum. Latentes Misstrauen und direkte Vorwürfe führen meist und oft auch sehr schnell zu einem schlechten Verhältnis der Pfleger und den betroffenen Familien.

Wie können diese Konflikte gelöst werden?

Betrachtet man die Seite der Angehörigen so können folgende Ursachen im Umgang mit dem Pflegepersonal eine Rolle spielen:

  • Trennungstrauma und Veränderungsängste
  • Schlechtes Gewissen wegen Abschiebung von Eltern oder Angehörigen
  • Veränderung des gewohnten Haushaltbudgets
  • Wegfall der gewohnten Aufgabe (Pflege) und resultierender Selbstbestätigung
  • Projektion der eigenen pflegerischen Erfahrungen auf den Heimalltag mit allen zwangsläufigen Diskrepanzen

Dies führt oft zu Missverständnissen, Betroffenheit und Verletztheit zwischen den Beteiligten statt Verständnis. Daher ist es besonders wichtig, offen und ehrlich zu kommunizieren. Sowohl das Zuhören als auch das Stellen konkreter Fragen führt dazu, Akzeptanz für die eigene Situation zu erlangen, aber auch die andere Seite zu verstehen.

Qualität in der Altenpflege entsteht in der Interaktion zwischen den Pflegerinnen und Pflegern mit den Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen und Familien. 

Gibt es eine Beschwerdestelle bei Pflegemängeln?

Wenn das Gespräch mit dem Pflegepersonal, ggf. deren Vorgesetzten oder den Leitern der Pflegeeinrichtung keine zufriedenstellende Lösung gebracht hat, gibt es die Möglichkeit, die die staatliche Heimaufsicht zu informieren. Die Beschwerden können über den MDK des jeweiligen Bundeslandes eingereicht werden. Für Bayern könnten die Beschwerden beispielsweise hier eingereicht werden.

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