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Ist Geschenkt auch endgültig geschenkt?

Das Verschenken von Vermögen an die nächste Generation ist eine beliebte Strategie, um Erbschaftsteuern zu vermeiden oder die Werte einem Zugriff der Sozialbehörden zu entziehen, wenn die Rente zur Deckung von Pflegekosten nicht ausreicht. Dieses Vorgehen birgt allerdings einige Fallstricke.

Steuerliche Freibeträge beachten

Erbschaftsteuer und Schenkungssteuer sind völlig identisch geregelt, sowohl hinsichtlich der Steuersätze als auch hinsichtlich der Freibeträge.

  • Für Schenkungen an Kinder beträgt der Freibetrag beispielsweise 400.000 Euro, für Enkel immerhin noch 200.000 Euro.
  • Die Freibeträge für Schenkungen können Sie mehrfach nutzen – alle zehn Jahre.

Was die Freibeträge übersteigt, muss versteuert werden.

  • Der Steuersatz hängt ab vom Verwandtschaftsgrad und dem Wert des Erbes.
  • Für Kinder liegt er zwischen 7 % und 30 %, wobei die höchsten Steuersätze nur für Vermögen im zweistelligen Millionenbereich angewendet werden.
  • Erben Freunde oder Nachbarn, zahlen sie mindestens 30 % Erbschaftsteuer, bei hohen Werten sogar 50 %.

Das Sozialamt darf das geschenkte Haus fordern

Innerhalb von zehn Jahren nach der Schenkung von Immobilien muss der Beschenkte noch um sein Häuschen bangen. So lange gibt es nach § 528 BGB ein Rückforderungsrecht. Der Schenkende muss nämlich auch nach der Schenkung einen angemessenen Lebensunterhalt sicherstellen können, ohne der Allgemeinheit zur Last zu fallen.

Selbst wenn der Schenkende es nicht will, werden die Behörden im Zuge des Sozialhilferegresses dieses Recht geltend machen. Dass der Beschenkte selbst in dem Haus wohnt, ändert an dem Rückforderungsvorbehalt nichts. 

Dieser gilt übrigens nicht nur für Immobilien, sondern auch für Barvermögen – hier allerdings mit einer kürzeren Verjährungsfrist von nur drei Jahren.

Einen vollständigen Schutz gegen die Rückforderung gibt es nicht.
Aber man kann den Wert des Geschenks mindern. Ein wichtiges Instrument ist die Vereinbarung einer Gegenleistung, die unbedingt mit der Schenkung dokumentiert sein muss. Das kann zum Beispiel das Versprechen häuslicher Pflege sein, oder der Beschenkte hat beim Ausbau des Hauses oder im Betrieb des Schenkenden mitgearbeitet. Auch ein Nießbrauch, also ein Wohnrecht auf Lebenszeit oder das Recht auf Mieteinnahmen, mindert den Wert der Immobilie.

Liegt Ihnen ein Schenkungswiderruf vor, ist anwaltliche Beratung zu empfehlen. Nur ein Experte kann den individuellen Sachverhalt zuverlässig beurteilen.

Unterhaltsansprüche gehen der Schenkung vor.
Wenn also Kinder für den Elternunterhalt zahlungspflichtig sind, muss sich das Sozialamt zuerst dort bedienen, bevor es auf eine Schenkung zurückgreifen darf. Weiterhin können mehrere Beschenke gesamtschuldnerisch haften.

Schenkungen im Überblick

  • Steuerfreibeträge für Schenkungen können alle zehn Jahre ausgenutzt werden.
  • Ein Rückforderungsvorbehalt besteht allgemein für drei Jahre, bei Immobilien für zehn Jahre.
  • Durch dokumentierte Gegenleistungen wird der Wert der Schenkung gemindert.
  • Bei einem Schenkungswiderruf sollte ein Anwalt eingeschaltet werden.

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