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Sehr viele Menschen haben eigene Tiere. Werden sie alt und zudem pflegebedürftig, ist es ihnen jedoch nur selten möglich, diese ins Seniorenheim mitzunehmen. Meist müssen sie sich deshalb von ihrem geliebten Tier trennen. Dies bedeutet – zu dem Wohnungs- und Umgebungswechsel, der durch den Einzug in ein Heim geschieht –  eine zusätzliche Belastung. Nicht zuletzt deshalb ist der Einsatz von Therapiehunden in Senioreneinrichtung besonders sinnvoll und wünschenswert.

Was sind Therapiehunde?

Ein Therapiehund ist ein "Therapiehelfer auf vier Pfoten", der im Team mit einem professionellen  Therapeuten (Mensch) gezielt in einer tiergestützten medizinischen Behandlung eingesetzt wird. Dies wird tiergestützte Therapie genannt.

Seit wann gibt es tiergestützte Therapie?

Schon seit über 1000 Jahren haben Tiere in der Therapie ihren Platz. Katzen wurden in der Antike vor allem bei psychischen Problemen eingesetzt. Bereits im 8. Jahrhundert erfüllten Tiere in Belgien therapeutische Zwecke. 1792 gründete der Engländer William Tuke eine psychiatrische Einrichtung, in der die Insassen kleine Tiere, z.B. Kaninchen, Seemöwen, Geflügel und Falken halten konnten.

Gibt es wissenschaftliche Nachweise für den Nutzen tiergestützter Therapie?

Wissenschaftlich erforscht wird der Einfluss von Tieren auf Gesundheit und Befinden seit den 60er-Jahren des letzten Jahrhunderts. Man konnte wissenschaftlich belegen, dass sich der Umgang mit Vierbeinern positiv auf die psychische Gesundheit auswirkt. Mittlerweile hat die tiergestützte Therapie im Umgang mit kranken, behinderten oder verhaltensauffälligen Menschen einen besonderen Stellenwert – seit circa 20 Jahren werden weltweit Tiere als Therapiehelfer eingesetzt.

Eine im Jahr 2005 an der Universität St. Louis, USA durchgeführte Studie konnte nachweisen, dass Senioren, die im Pflegeheim regelmäßig Kontakt zu Therapiehunden hatten, sich weniger einsam fühlen und ausgeglichener und entspannter ihren Heimalltag bewältigen.

Welche Ausbildung muss ein Therapiehund haben?

Eine wichtige Voraussetzung für die Arbeit mit einem Therapiehund ist eine spezielle Ausbildung, die Hundeführer und Hund als Therapiehundeteam abschließen. In der Ausbildung werden Grundgehorsam und bestimmte Fähigkeiten, die ein Therapiehund mitbringen muss, trainiert. Der Hund sollte in jeder Situation absolut zuverlässig sein. Außerdem muss sich der Hundehalter theoretische Kenntnisse über den Hund und fachspezifisches Wissen zur tiergestützten Therapie aneignen.

Ein Therapiehund in einem Seniorenheim fördert:

Beweglichkeit

  • Der Hund regt die Bewohner dazu an, ihn zu streicheln, mit ihm zu spielen oder sogar mit ihm spazieren zu gehen.
  • Bei bettlägrigen Patienten können Hundebesuche zur Stimulanz bestimmter Sinne genutzt werden.

Kommunikationsbereitschaft/Sozialkontakte

  • Über den Hund kommen die Bewohner untereinander ins Gespräch, da sie ein gemeinsames Interesse, nämlich der Hund, verbindet.
  • Der Hund dient sozusagen als „Vermittler“ und beeinflusst so das Miteinander im Heim positiv.

Fein- und Grobmotorik

  • Die Bewohner möchte den Hund streicheln und mit ihm spielen.
  • Durch die Interaktion mit dem Hund sind sie von ihren bestehenden motorischen Einschränkungen soweit abgelenkt, dass sie häufig zuvor nicht mehr gelungene Bewegungen wieder ausführen können.

Gedächtnisleistungen

  • Die Bewohner erlernen durch die Interaktion mit dem Hund verschiedene Kommandos kennen, die sie aktiv einsetzen.
  • Sie erhalten Informationen über den Hund (seinen Namen, sein Lieblings-Spielzeug).
  • Der Hund weckt Erinnerungen an gegebenenfalls früher selbst gehaltene, eigene Tiere. Somit wird besonders das Langzeitgedächtnis bzw. die Erinnerungsfähigkeit gefördert.´

Lebensqualität

  • Die Anwesenheit des Hundes führt die Bewohner heraus aus ihrer Isolation.
  • Durch seine nicht fordernde Art vermittelt er Gefühle von Geborgenheit, Liebe und Wärme, spendet Trost und Hoffnung.

Gesundheit/Genesung

Das Streicheln und Berühren eines Tieres vermittelt Wohlbefinden. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Körperkontakt, Spielen und Lachen mit Hunden

  • zur Entspannung der Muskulatur
  • zur Normalisierung des Blutdrucks
  • zum Abbau von Stress und Ängsten
  • zur Verringerung des Schmerzempfindens
  • zur Erhöhung der Endorphin-Produktion führen.

Hunde sind auch deshalb gute Therapeuten, weil sie:

  • nicht werten oder entwerten,
  • nachsichtig sind,
  • kein gespielt gutes Benehmen oder physische Attraktivität erwarten,
  • den Menschen nehmen, wie er ist, mit allen Stärken und Schwächen.

Außerdem ist es ihnen möglich, einen direkten, unmittelbaren und sehr einfühlsamen Zugang zu sonst sehr in sich gekehrten oder ganz verschlossenen Menschen herzustellen. Dies zeigt sich insbesondere bei der Arbeit mit an Demenz Erkrankten, aber auch bei Wachkoma-Patienten. Selbst bei Patienten, die sonst auf niemanden reagieren, können Hunde den Zugang erleichtern und einen positiven Einfluss auf die Erkrankten haben.

Wer bietet tiergestützte Therapie an?

Im Internet gibt es viele Websites, wie zum Beispiel www.therapeuten-mit-tier.de der Deutschen Gesellschaft für Tiergestützte Therapie e.V., über die es möglich ist, Therapiehunde-Einsätze zu buchen.

Auch über inzwischen weit verbreitete Tierbesuchsdienste (zum Beispiel “Tiere helfen Menschen e.V.“ oder „Leben mit Tieren e.V.“ können Pflegeeinrichtungen den Kontakt zu Tieren herstellen. Auf der Website des Vereins „Leben mit Tieren“ www.lebenmittieren-berlin.de können so zum Beispiel Besuchsdienste in Seniorenheimen und Demenz-Wohngemeinschaften rund um Berlin gebucht werden.

Die Website des Vereins “Tiere helfen Menschen“ www.thmev.de mit Sitz in Würzburg bietet eine deutschlandweite Kontaktadressliste für „tierische“ Besuchsdienste und entsprechende Kooperationspartner. Ebenso findet sich dort eine ständig in Aktualisierung befindliche Liste von Pflegeeinrichtungen deutschlandweit, in denen tiergestützte Therapie stattfindet und/oder Tierhaltung erlaubt ist. Anhand verschiedener Symbole wird in dieser Liste darin unterschieden, ob Tiere im Rahmen einer tiergestützten Therapie das Heim besuchen kommen, ob das Heim selbst (oder Heimmitarbeiter) ein Tier halten oder ob die Bewohner Tiere halten (dürfen).

Zudem besteht auch die Möglichkeit, dass vor Ort ehrenamtlich arbeitende Hundehalter mit ihren Vierbeinern Senioren in Heimen besuchen.


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