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Woran erkenne ich die Austrocknung eines Pflegebedürftigen?

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Ein ausgeglichener Flüssigkeitshaushalt ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für unser Wohlbefinden. Unser Körper besteht je nach Alter, Geschlecht und Konstitution bis zu 75% aus Wasser. Besonders der Stoffwechsel und funktionierende Organe hängen unmittelbar vom Flüssigkeitshaushalt ab. Mindestens 2,5 Liter Wasser sollte ein Erwachsener täglich über Getränke und Speisen zu sich nehmen, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen. Kinder und Jugendliche haben einen höheren Flüssigkeitsbedarf, bei alten Menschen sinkt der Wasserbedarf auf 1,5 – 2 Liter am Tag. Kurzfristig ist der menschliche Körper noch in der Lage, eine zu geringe Aufnahme von Flüssigkeit auszugleichen, aber langfristig kann eine zu geringe Flüssigkeitszunahme zur Austrocknung führen.

Pflegebedürftige und vor allem ältere Menschen sind besonders durch Dehydratation, also Austrocknung, gefährdet.

Das kann daran liegen, dass ihr Durstgefühl abnimmt und sie deshalb oft vergessen, ausreichend zu trinken.
Zudem sind an Demenz (z.B. Alzheimer) erkrankte oder anderweitig behinderte Menschen häufig auch nicht mehr in der  Lage, ihren Flüssigkeitshaushalt eigenständig zu regulieren. Schluck-, Seh-, Greif- und Bewegungsstörungen oder geistige Beeinträchtigungen erschweren das Trinken oder machen es manch einem unmöglich. Weitere Gründe für die Austrocknung besonders bei Pflegebedürftigen und Senioren kann ein erhöhter Flüssigkeitsverlust durch die Einnahme bestimmter Medikamente oder auch Harninkontinenz sein. Gerade Menschen, die unter Inkontinenz leiden, trinken dadurch meist besonders wenig. Manche Pflegebedürftige verweigern die Flüssigkeitsaufnahme auch ganz, beispielsweise ausgelöst durch Depressionen.

Woran erkennt man eine Austrocknung des Pflegebedürftigen?

Folgende Symptome können erste Anzeichen für eine Austrocknung sein:

  •  Kopfschmerzen
  • Übelkeit
  • zunehmende Verwirrtheit
  • Teilnahmslosigkeit
  • Antriebshemmung
  • Schläfrigkeit
  • Schwindel- und Schwächegefühl
  • niedriger Blutdruck
  • Verstopfung
  • rissige Lippen
  • trockener Mund
  • schlaffe, trockene Haut
  • trockene Schleimhäute
  • Borkenbildung auf der Zunge
 

 Auch die Farbe des Urins kann Hinweis auf eine beginnende Austrocknung sein. Ist der Urin klar, hell und riecht eher wenig, dann ist dies völlig normal und gut. Ist der Urin allerdings dunkel gefärbt und riecht sehr stark, kann ein Flüssigkeitsmangel vorliegen.

Mögliche Folgen von Wassermangel und Austrocknung

Die Stoffwechselvorgänge im Körper werden bei Wassermangel und Austrocknung verlangsamt, was mögliche Folgen mit sich ziehen kann:

  • Harnsteinbildung
  • Harnwegsinfektionen
  • Pilzinfektionen von Haut und Schleimhäuten
  • Entzündung der Ohrspeicheldrüse
  • Blutgerinnselbildung in Gefäßen (Thrombose)
  • erhöhtes Risiko von Wundliegegeschwüren (Dekubitus)
  • Lungenentzündung (Pneumonie)

Was kann ich gegen die Austrocknung eines Pflegebedürftigen tun?

Beruhigend ist, dass sich das richtige Trinkverhalten auch im hohen Alter noch erlernen lässt. Besonders wichtig ist es, den Pflegebedürftigen immer wieder an das Trinken zu erinnern, dafür zu sorgen, dass stets frische Getränke in Reichweite stehen und gegebenenfalls beim Trinken helfen.

Trinkhilfen, etwa spezielle Trinkhalme oder Trinkaufsätze, können bettlägerigen Menschen die Flüssigkeitsaufnahme deutlich erleichtern. Hier empfiehlt es sich, die verschiedenen Angebote von Trinkhilfen auszuprobieren, um sich dann für die richtige und individuell passende Hilfe zu entscheiden.

Wenn Pflegebedürftige Probleme und Schwierigkeiten beim Greifen haben, führt man das Trinkgefäß vorsichtig an die Lippen heran und stützt den Nacken, um die Flüssigkeitsaufnahme aktiv zu unterstützen. Wichtig ist, dass man diesen Prozess sehr langsam und behutsam durchführt, damit sich der Pflegebedürftige nicht verschluckt. Auch gibt es die Möglichkeit, Wasser löffelweise anzubieten und anzureichen.

Über die Nahrung zusätzlich Flüssigkeit aufnehmen

Besonders Suppen, Joghurt oder sehr wasserhaltiges Obst und Gemüse, wie Gurken, Orangen oder Wassermelonen, eigenen sich, um über die Nahrung zusätzlich Flüssigkeit aufzunehmen. Diese sollten zusätzlich zu den Getränken im Laufe des Tages angeboten werden, wenn die Gefahr einer Austrocknung besteht.

Bild: © mnimage / stock.adobe.com