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Zwänge im Alter: Leben nach Mustern

Pflasterplatten zählen, Bierdeckel horten, ständiges Händewaschen: Zwangshandlungen manifestieren sich in Form von ritualisierten Mustern. Altersbedingte Zwangsstörungen sind häufig eine Reaktion auf die mit dem Altern verbundenen Einschränkungen. Daher erfordern sie gerade von pflegenden Angehörigen ein Höchstmaß an Einfühlungsvermögen und Rücksichtnahme. Unter Umständen sind die Zwänge aber auch auf körperliche Ursachen zurückzuführen.

Wie äußern sich Zwänge

Von einem Zwang ist immer dann die Rede, wenn eine Person entgegen des eigenen Willens alltagstörende Handlungs- oder Gedankenmuster mit anhaltender Regelmäßigkeit ausführt.

  • Zwangshandlungen sind neben Sammel- und Wiederholungszwängen beispielsweise Kontroll-, Wasch-, Zähl- oder Ordnungszwänge.
  • Zwanghafte Gedankengänge ranken sich dagegen häufig um religiöse und sexuelle Inhalte.
  • Aber auch Krankheits- und Verschmutzungsängste sind verbreitete Zwangsauslöser.

Eine umfangreiche Ursachenforschung durch einen Psychiater oder einen Neurologen ist daher der erste Schritt zum richtigen Umgang mit der Erkrankung.

Ein Stück Sicherheit

Psychische Zwangsstörungen treten im Alter vergleichsweise häufig in Folge von Ängsten im Rahmen der Altersdepression auf. Der ritualisierte Zwangsinhalt entspricht hierbei einem Angstbewältigungsversuch, der Betroffenen Sicherheit vermittelt.

  • Davon zu unterscheiden sind neurodegenerative Zwangserkrankungen,
    wie Alzheimer- und Demenzpatienten sie in Folge von strukturellen Hirnveränderungen im persönlichkeitsrelevanten Gehirnfrontallappen erleben.
  • Psychische und organische Zwangsformen
    können sich im Alter zudem überschneiden, was bei der Behandlung zu besonderen Herausforderungen führt.

Gemeinsam zu zwangloser Lebensqualität

Steigendes Lebensalter ist natürlicherweise mit Ängsten verbunden. Wenn dann noch eine Krankheitsdiagnose hinzukommt, ist die Angstbewältigung im Alleingang eine Herausforderung.

Stehen Sie dem Betroffenen daher stets mit einfühlsamen Gesprächen bei,
bevor aus Belastungssituationen psychische Zwangsgedanken oder sich aufdrängende Handlungszwänge entstehen.

Selbsthihlfegruppen helfen

In Selbsthilfegruppen fällt die Bewältigung von Belastungssituationen nach Krankheitsdiagnosen oder dem Tod von Vertrauten oft leichter. Grundsätzlich sinkt das Risiko für Altersdepression und damit zusammenhängende Zwangserkrankungen außerdem durch soziale Einbindung und damit verbundenes Sicherheitsgefühl.

Medikamenteneinstellung

Demenzbedingten Zwängen begegnen Psychiater und Neurologen dagegen über die richtige Medikamenteneinstellung. Neben Antidepressiva und demenzverzögernder Medikation hilft Sport wie Wandern und Radfahren.

Zwänge im Alter auf einen Blick

  • Zwangsinhalte sind sich aufdrängende Handlungen oder Gedankengänge, die das tägliche Leben stören.
  • Belastende Lebensereignisse wie Krankheitsdiagnosen begünstigen psychische Zwangserkrankungen.
  • Soziale Einbindung minimiert das Risiko für psychische Zwänge im Alter.
  • Antidepressiva und Sport wirken sich positiv auf neurodegenerative Zwänge aus.
  • Selbsthilfegruppen, Neurologen und Psychiater sind bei altersbedingten Zwangserkrankungen die richtigen Ansprechpartner.

Titelbild: © STUDIO GRAND OUEST / stock.adobe.com