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Der richtige Umgang mit Demenz

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Demenz - Mit den kleinen Dingen fängt es an...

Oft beginnt es mit kleinen Dingen, die zunächst nicht auffallen. Der Schlüssel ist nicht mehr da wo er zuvor war, Wörter fallen einem nicht mehr ein oder der Parkplatz mit dem Auto ist nicht mehr auffindbar. Das kann ja jedem einmal passieren. Doch wenn sich die Geschehnisse häufen und der Betroffene sich obendrein im fortgeschrittenen Alter befindet, könnte auch eine dementielle Erkrankung dahinter stecken.

Zwar ist die Erkrankung nicht immer heilbar,
mit der richtigen Therapie lassen sich die Symptome aber durchaus lindern oder verlangsamen.

Da eine Demenz aber stets unterschiedlich ausgeprägt ist und entsprechend andere Probleme mit sich bringt, ist vor allem ein offener Umgang mit der Krankheit der richtige Weg – für Sie und Ihre Angehörigen.

Diagnose: Demenz

Es vergehen oft Monate, bis bei betroffenen Menschen die Krankheit zweifelsfrei festgestellt werden kann. Viele Anzeichen für eine Demenz können nämlich auch auf andere Erkrankungen oder schlichtes Älterwerden hindeuten.

Haben Sie das Gefühl, dass Sie bei ihrem Angehörigen möglicherweise Symptome einer Demenz erkennen, sollten Sie daher mit ihm unbedingt den Hausarzt, noch besser den Neurologen oder Neuropsychologen aufsuchen, um möglichst früh Gewissheit zu erhalten.

Offener Umgang mit der Krankheit

Es sind überwiegend Angehörige, die sich in Deutschland um die Betreuung von Demenzkranken kümmern. Oft werden die gesundheitlichen Probleme der Erkrankten im Familien- und Freundeskreis aber verschwiegen – das ist allerdings der falsche Weg.

  • Zum einen lässt sich Demenz mit Fortschreiten der Krankheit irgendwann nicht mehr verheimlichen
  • Zum anderen können Freunde und Familie nur dann angemessen reagieren und ihre Hilfe anbieten, wenn sie von der Erkrankung des Betroffenen wissen.
  • Zudem können gerade vertraute Personen helfen, die Angst des Erkrankten zu lindern.

Die sekundäre Demenz
Auch wenn es heute noch keine wirksamen Medikamente gegen Demenz gibt, sollten Sie wissen, dass es auch sekundäre Demenzformen gibt.

Das bedeutet, die Demenzerkrankung ist eine Folge bedingt durch eine andere Erkrankung wie beispielsweise

  • Stoffwechselerkrankungen
  • Vitaminmangelzustände
  • Depressionen

So ist es unter Umständen möglich, durch eine Behandlung der Grunderkrankung auch die Demenzerkrankung einzudämmen oder gar zurückzubilden. Laut der deutschen Alzheimer Gesellschaft machen die sekundären Demenzen bis zu 10 % aller Krankheitsfälle aus. Wobei zu vermuten ist, dass es eine hohe Dunkelziffer gibt, denn viele wollen nicht zum Arzt gehen und ihre Grunderkrankung bleibt unerkannt.

Umso wichtiger ist demnach frühzeitig einen Spezialisten aufzusuchen, wenn sich die Symptome nicht mehr übersehen lassen.

Fördern und Fordern

An Demenz Erkrankte müssen stetig gefordert und gefördert werden, damit ihre Fähigkeiten möglichst lange erhalten bleiben. Nehmen Sie Ihrem Angehörigen also nicht alles ab, solange dies nicht unbedingt erforderlich ist.

Regelmäßige Aufgaben und Rituale, wie beispielsweise das Decken des Mittagstischs können helfen, die Selbstständigkeit länger aufrechtzuerhalten.

  • Wichtig ist, dass der Betroffene Hilfe bei alltäglichen Handlungen bekommt, die er allein nicht mehr bewältigen kann.
  • Eine vollumfängliche Pflege ist zumindest im frühen Stadium der Demenz in aller Regel nicht nötig – und häufig sogar kontraproduktiv.
  • Wird die Pflege durch das Voranschreiten der Krankheit irgendwann zu einer zu großen Belastung für Sie, scheuen Sie sich nicht, Unterstützung durch einen professionellen Pflegedienst in Anspruch zu nehmen.

Abwehrhaltung bei dem Betroffenen

Aussagen, wie „Ich glaub bei dir ist es jetzt auch schon so weit“ oder „Laß uns mal über deine Demenz reden“ erzeugen mit Sicherheit eine impulsive Abwehrhaltung bei dem Betroffenen. Zu groß ist die Angst sich die eigene Vergänglichkeit einzugestehen, weswegen die meisten Menschen zunächst geschickt verbergen, wie es um sie steht.

In einem unserer Webinare berichtete eine Teilnehmerin, 
sie und ihre Mutter hätten das Thema gemieden wie die Pest. Dabei wussten sie beide, dass die Vergesslichkeit der Mutter und die zeitweise Orientierungslosigkeit nicht mehr in ein normales Bild des Altwerdens passt.

Eines Tages habe ich mir ein Herz gefasst und meine Mutter angesprochen. Ich habe sie gefragt, ob ihr das auch schon aufgefallen ist, dass sie in letzter Zeit so viel vergisst. Ob wir nicht mal zu einem Neurologen gehen wollen, habe ich sie gefragt. Ganz kurz ist sie erstarrt und plötzlich fing sie an zu weinen. Wir lagen uns fast eine halbe Stunde weinend in den Armen, bis sie mir sagte, sie wäre so froh, dass ich sie gefragt hätte. Sie hatte so eine Angst, das ich damit nicht klar kommen würde.

Es kann auch eine Erlösung sein, wenn man das Problem offensiv angeht.
Vor allem, wenn der Betroffene weiß, er bekommt von Ihnen die volle Unterstützung und muss nicht um Ihre Zuneigung fürchten. 

Auch wenn es Ihnen schwer fällt Ihre Mutter oder Ihren Vater auf die Erkrankung anzusprechen, ist es wichtig, dass alle Beteiligten sich frühzeitig um mit der Krankheit auseinandersetzen. Wenn Sie es nicht alleine schaffen, holen Sie sich Hilfe von vertrauten Personen. Möglicherweise hilft Ihnen jemand aus dem Freundeskreis Ihrer Eltern oder der Hausarzt untersützt sie. Umso früher die Familie die Organisation der Pflege und die Wünsche des Betroffenen bespricht, umso besser. 

Hilfe gibt es auch von der Alzheimer Gesellschaft die für Ratsuchende eine eigene Telefonnummer eingerichtet hat.

Der richtige Umgang mit Demenz – Kurzüberblick

  • offener Umgang mit der Krankheit, gerade der Familie gegenüber
  • vor allem in der Anfangsphase viel Zuspruch und Unterstützung für den Betroffenen
  • Hilfestellung, nur sofern wirklich nötig – das hilft, die Selbstständigkeit zu erhalten

Lese-Tipp: Oft ziehen sich Demenzerkrankte Menschen zurück. Das muss nicht sein! Lesen Sie unseren Artikel "Demenz: Geben Sie Rückzugstendenzen keine Chance".

Bild: ©  Hunor Kristo / stock.adobe.com