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Konfliktursachen in der Pflegebeziehung

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Konfliktursachen in der Pflegebeziehung

Die Aufgabe, jemanden zu pflegen, ist nicht nur sehr verantwortungsvoll, sondern auch sehr stressig – sowohl physisch als auch psychisch. Nicht selten sind pflegende Angehörige überfordert, wissen nicht, wie sie die Bedürfnisse der Pflegebedürftigen am besten berücksichtigen und wollen keine Fehler machen. Schnell entstehen im Pflegealltag Konflikte und Meinungsverschiedenheiten, die in vielen Fällen unausgesprochen bleiben. Doch es ist wichtig, sich offen und ehrlich mit diesen Konflikten auseinanderzusetzen, denn die Streitereien machen den Pflegealltag noch schwerer als er ohnehin schon ist.

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Neue Situation sehen und verstehen

Oftmals muss man sich in sein Gegenüber hineinversetzen, um die neue Situation zu verstehen. Auf der einen Seite ist der Pflegebedürftige, der auf einmal abhängig ist und seine Selbstständigkeit einbüßt. Oft fällt es den Pflegebedürftigen schwer um Hilfe zu fragen und diese zu akzeptieren. Dies führt natürlich zu Verdruss auf der Seite der pflegenden Angehörigen. Sie fühlen sich nicht wertgeschätzt. Dabei ist es meist die Wut und auch die Verzweiflung über die neue Situation, die die Pflegebedürftigen launisch werden lässt. Hinzu kommen evtl. noch Krankheit, Schmerzen und die Erkenntnis, dass das eigene Leben sich dem Ende zuneigt. Nichts bleibt mehr, wie es war. Nicht jeder, der in die Phase des Lebens eintritt, kann gut damit umgehen. Letztendlich kann ein Nichtbetroffener, die Situation in der sich ein pflegebedürftiger Mensch plötzlich wiederfindet, oft kaum nachvollziehen.

Überforderung mit den neuen Aufgaben

Dennoch ist auch die Situation der pflegenden Angehörigen schwierig und muss berücksichtigt werden.

  • Sie haben auf einmal zusätzlich sehr viel Verantwortung, sind rund um die Uhr im Einsatz, müssen meist ihren und nun auch einen weiteren Haushalt führen.
  • Dazu kommt die emotionale Belastung, die die pflegenden Angehörigen zusätzlich belastet.
  • Ein geliebter und nahestehender Mensch steht am Ende seines Lebens und wird zusehens schwächer.
  • Pflegende Angehöirge leiden mit und fühlen sich dabei nicht selten ohnmächtig.
  • Sie würde so gerne an der Situation des Pflegebedürftigen etwas verbessern und haben das Gefühl nicht genug dazu beizutragen.
  • Nicht selten kommen noch Vorwürfe hinzu, die von den Betroffenen geäußert werden. "Du hast immer so wenig Zeit" oder "Du kümmerst dich zu wenig um uns" sind gern genutze Hebel, um mehr Aufmerksamkeit zu erhalten.
  • Hinzu kommen dann nicht selten auch noch körperliche Beschwerden des Pflegealltags hinzu, die sich auf die Stimmung und das Wohlbefinden der pflegenden Angehörigen auswirken. 

Oft belastet der Konflikt auch die eigene Ehe oder die Partnerschaft.

Schweigen ist silber – reden ist gold

Auch eine schlechte und falsche Kommunikation kann zu Konflikten und respektlosem Verhalten führen. Pflege ist eine sehr intime Aufgabe, die ohne gegenseitigem Vertrauen nicht richtig funktionieren kann. Je höher der Pflegegrad, desto wichtiger ist das Einfühlungsvermögen und auch die richtige Kommunikation. Besonders wenn dem Pflegebedürftigen das Sprechen aufgrund einer Krankheit schwer fällt oder im Falle von Alzheimer die Kommunikation eingeschränkt ist, muss man eine Form finden, sich mitzuteilen, ohne dass es zu Missverständnissen kommen kann. Meist ist es die Summe vieler, kleiner Konflikte, die schlussendlich zu einem ruppigen Verhalten führt.

Unterstützung und Hilfe suchen

Wer den Weg zur Kommunikation nicht mehr findet, sollte sich an der Stelle Unterstützung und Hilfe suchen. Das können andere Familienangehörige sein, die man ins Vertrauen zieht, Freunde des Pflegebedürftigen oder vielleicht auch ein Mediator, wenn es schon zu einem größeren Konflikt geführt hat. Hat sich der Streit schon weiter in die Familie getragen, kann eine außenstehende Person oft aus einer vermeintlich aussichtslosen Lage weiterhelfen.

Wie kann ich Konflikte im Pflegealltag vermeiden?

  • Versuchen Sie sich in die Situation Ihres Gegenübers zu versetzen und lassen Sie Milde walten.
  • Sprechen Sie Probleme an und meiden Sie nicht den Austausch.
  • Ziehen Sie frühzeitig andere Familienmitglieder ins Vertrauen und führen Sie ein offfenes Gespräch.
  • Ein Mediator aus dem Pflegebereich hiflt bei größeren Familienkonflikten.
  • Holen Sie sich frühzeitig Unterstützung und gönnen Sie sich ein paar freie Stunden
  • Tauschen Sie sich mit anderen pflegenden Angehörigen aus. Das hilft vieles besser zu verstehen. 
    Sie sind in dieser Situation nicht allein! 

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Bild: ©  AdobeStock_113540831 / stock.adobe.com