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Pflegebedürftige Menschen werden zu 70 Prozent im Rahmen einer häuslichen Pflege zu Hause versorgt. Häufig wird diese Aufgabe mit großer Hingabe durch nahe Angehörige durchgeführt: Sie wollen helfen und etwas von der jahrelangen Zuwendung, die sie durch die Patienten erfahren haben, zurückgeben.

Sie empfinden eine ständige Bereitschaft und Abrufbarkeit als moralische Verpflichtung.
Doch ein solches Unterfangen kann schnell zu Überlastung führen – psychisch wie physisch. Das kann auch körperlich fordern.

Zusammen mit der psychischen Belastung durchleben ein Fünftel der pflegenden Angehörigen auch depressive Episoden, so eine DAK-Umfrage. Aggressionen oder Schlafstörungen sind die Folge. Über einen längeren Zeitraum kann sich auf diese Weise leicht gesundheitsbedrohende Überforderung einstellen.

Beratungs- und Hilfsangebote für pflegende Angehörige

Service

Kostenlose Broschüre, wie Pflege gelingen kann.


 

Der Druck von innen und außen baut sich schnell auf. Er bringt den Pflegenden in moralische Not – und öffnet einen Teufelskreis: Der Pflegende traut sich nicht mehr zuzugeben, wenn er selbst Hilfe benötigt. Dass sich durch solcherlei Erwartungen auch für ihn selbst Pflichten ergeben – das typische „Nicht-abgeben-wollen“ – ist dabei nur ein Teil des Problems.

Spätestens, wenn sich Erschöpfung nach Versagen anfühlt, wird es allerhöchste Zeit, Hilfe zu holen.

Informationen und Ratschläge erhalten Sie zunächst:

  • beim Hausarzt
  • ​bei den regionalen Pflegestützpunkten
Service

Mehr Geld von der Pflegekasse - kostenlose Broschüre.


 

Die Krankenkassen bieten kostenlose Kurse für pflegende Angehörige an.
Wohnumfeldverbessernde Maßnahmen werden mit bis zu 4.000 Euro durch die Pflegekasse bezuschuss – eine aktive Hilfe also, um wenigstens die körperliche Belastung ein Stück weit abzubauen.

Voraussetzung für all das ist die Feststellung eines Pflegegrads.

  • Das Pflegeunterstützungsgeld:
    Ein berufstätiger Angehöriger kann sich bis zu zehn Tage von seiner Arbeitstätigkeit freistellen lassen. Als Pflegeunterstützungsgeld erhält er dabei bis zu 90 Prozent seines Nettogehalts.
  • Die Verhinderungspflege:
    Für eine Abwesenheit durch Krankheit, Kur oder Urlaub der Pflegeperson besteht Anspruch auf eine Verhinderungspflege. Der Höchstzuschuss der Pflegekasse beträgt dafür 1.612 Euro.
  • Betreuungsgruppen:
    Zur Entlastung pflegender Angehöriger bieten Wohlfahrtsverbände und Alzheimer-Gesellschaften für die Dauer einiger Stunden die Unterstützung durch Betreuungsgruppen an. Auch hier ist es möglich, den Patienten eine Weile betreuen zu lassen. Er ist hier unter professioneller Aufsicht und gut versorgt. Nutzen Sie diese Gelegenheit, sich um sich selbst zu kümmern.

Hilfsangebote für pflegende Angehörige zusammengefasst:

  • Informationen für pflegende Angehörige durch Beratungsstellen, Ärzte und Kurse: Außer der Teilnahme an Gruppenkursen sind auch Einzelberatungen möglich.
  • Unterstützung durch Selbsthilfegruppen, Online-Foren: Es gibt mehr Menschen, denen es so geht wie Ihnen. Sie sind nicht allein. Lassen Sie sich beraten.
  • Anspruch auf Verhinderungspflege (Pflegedienst, Kurzzeitpflege, Tages- oder Nachtpflege): Nehmen Sie sich eine Auszeit. Das Pflegegeld wird während dieser Zeit weitergezahlt.
  • Hilfe für Angehörige bei der Betreuung demenzkranker Menschen durch Betreuungsgruppen: Die Belastung ist in solchen Fällen besonders groß. Nutzen Sie Betreuungsgruppen.
  • Bauliche Maßnahmen und technische Hilfsmittel als wohnumfeldverbessernde Maßnahme zur Förderung und der häuslichen Pflege: Gebrauchte oder gemietete Hilfsmittel werden in gleicher Höhe wie neue bezuschusst.
  • Freistellungsmöglichkeit von der Berufstätigkeit bis zu 10 Tagen bei einem Pflegeunterstützungsgeld bis zu 90 Prozent des Nettogehalts: Bei einer wöchentlichen Erwerbstätigkeit von nicht mehr als 30 Stunden zahlt die Pflegeversicherung Beiträge zur Rentenversicherung

Bild: © hikrcn / stock.adobe.com