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Ein Unfall oder eine Krankheit kann das Leben der Angehörigen von einem auf den anderen Tag auf den Kopf stellen: Ein Pflegedienst oder -heim muss gefunden oder die Pflege zu Hause organisiert und durchgeführt werden. Für Berufstätige bedeutet dies meist eine große Herausforderung. Um Familie, Pflege und Job besser vereinbaren können, gelten im Bereich des Pflegezeit- und Familienpflegezeitgesetzes seit Januar 2015 neue gesetzliche Regelungen. Danach haben Beschäftigte verschiedene Möglichkeiten der Freistellung von der Arbeit.

Während der Freistellung besteht Kündigungsschutz

Das heißt: Sie müssen nicht befürchten, aufgrund der Pflege eines nahen Angehörigen Ihren Arbeitsplatz zu verlieren. Der besondere Kündigungsschutz beginnt mit der schriftlichen Anmeldung der Pflegezeit und endet mit deren Ablauf.

Welche Möglichkeiten der Freistellung haben Sie als Arbeitnehmer, wenn sie nahe Angehörige pflegen? 

1. Pflegeunterstützungsgeld: Bei einem akut auftretenden Pflegefall können Sie eine Auszeit von bis zu zehn Tagen von der Arbeit nehmen. In dieser Zeit erhalten dafür eine Lohnersatzleistung (Pflegeunterstützungsgeld) in Höhe von 90 Prozent Ihres Nettogehalts.
Den Antrag auf Pflegeunterstützungsgeld müssen Sie wird unverzüglich bei der Pflegekasse oder dem privaten Pflegeversicherungsunternehmen Ihres pflegebedürftigen nahen Angehörigen stellen.

2. Pflegezeit: Dauert die häusliche Pflege Ihres Angehörigen (mindestens Pflegegrad 1) länger, können Sie bis zu sechs Monate ganz oder teilweise aus dem Job aussteigen.
Dies gilt auch für die außerhäusliche Pflege eines minderjährigen nahen Angehörigen (mindestens Pflegegrad 1).
In der letzten Lebensphase Ihres Angehörigen können Sie bis zu drei Monate ihre Arbeitszeit reduzieren oder sich eine Auszeit nehmen.
In beiden Fällen besteht Anspruch auf ein zinsloses Darlehen, um den Verdienstausfall in dieser Zeit abzufedern. Das Darlehen können Sie direkt beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Angelegenheiten (BAFzA) beantragen.
Auf der Internetseite www.bafza.de gibt es einen Familienpflegezeitrechner zur Ermittlung des maximalen Darlehensbetrages. 

3. Familienpflegezeit: Wenn Sie sich über einen längeren Zeitraum um einen pflegebedürftigen nahen Angehörigen (mindestens Pflegegrad 1) in häuslicher Umgebung kümmern müssen, können Sie Ihre Arbeitszeit auf bis zu 15 Stunden pro Woche für die Dauer von bis zu 24 Monaten reduzieren.
Dies gilt gleichermaßen für die außerhäusliche Betreuung eines minderjährigen pflegebedürftigen nahen Angehörigen.
Auch in dieser Zeit können Sie ein zinsloses Darlehen in Anspruch nehmen.

Für welche Beschäftigten gelten die gesetzlichen Regelungen?

  • Arbeitnehmer
  • geringfügig Beschäftigte (Minijobber) mit einem Entgelt bis zu 450,00 Euro monatlich
  • die zu ihrer Berufsausbildung Beschäftigten (Auszubildende)
  • Personen, die wegen ihrer wirtschaftlichen Unselbstständigkeit als arbeitnehmerähnliche Personen gelten

Achtung: Selbstständige sind von allen Regelungen ausgenommen.

Was sind nahe Angehörige?

  • Großeltern, Eltern, Schwiegereltern, Stiefeltern
  • Ehegatten, Lebenspartner und Partner einer eheähnlichen oder lebenspartnerschaftsähnlichen Gemeinschaft, Geschwister
  • Schwägerinnen und Schwäger
  • Kinder, Adoptiv- oder Pflegekinder sowie die Kinder, Adoptiv- oder Pflegekinder des Ehegatten oder Lebenspartners, Schwiegerkinder und Enkelkinder

Betriebliche Voraussetzungen

Das Recht auf Pflegeunterstützungsgeld  haben Sie gegenüber allen Arbeitgebern unabhängig von der Größe des Unternehmens. Ein Rechtsanspruch auf Freistellung nach dem Pflegezeitgesetz gegenüber Arbeitgebern besteht nur in Betrieben mit mehr als 15 Beschäftigten, bei Freistellungen nach dem Familienpflegezeitgesetz in Unternehmen mit mehr als 25 Beschäftigten.

Sonderregelung für Kleinbetriebe

Wenn Sie in einem kleineren Betrieb arbeiten, können Sie mit Ihrem Arbeitgeber einvernehmlich eine Freistellung nach dem Pflegezeitgesetz oder Familienpflegezeitgesetz vereinbaren. Im Falle einer solchen freiwilligen Vereinbarung haben Sie ebenfalls Anspruch auf Förderung durch ein zinsloses Darlehen.


Bild: © Romolo Tavani / stock.adobe.com