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Richtig vererben - Streit vermeiden

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Niemand denkt gerne über seinen eigenen Tod nach. Doch viele Probleme bei der Erbschaft entstehen, weil sich die Verstorbenen zu Lebzeiten nicht ausreichend darüber Gedanken gemacht haben, was nach ihrem Tod mit ihrem Vermögen geschehen soll. 

Nur jeder vierte Deutsche macht ein Testament. Dazu kommt, dass 90 %der privat aufgesetzten Testamente fehlerhaft sind. Da ist es nicht verwunderlich, dass jeder zweite Erbfall für Streit in der Familie sorgt und jeder fünfte sogar vor Gericht landet. Um dies zu vermeiden, sollte sich jeder frühzeitig informieren – sowohl derjenige, der vererbt, als auch der Erbe.

Wer erbt, wenn es kein Testament gibt? 

Gibt es kein Testament, greift die gesetzliche Erbfolge. Das bedeutet, dass zunächst der überlebende Ehepartner oder eingetragene Lebenspartner die Hälfte des Vermögens erhält. Dann kommen die Erben erster Ordnung an die Reihe – das sind die Kinder des Verstorbenen. Sie teilen die andere Hälfte des Vermögens unter sich auf. Ist ein Kind bereits verstorben, geht sein Erbteil an dessen Kinder.

Wie verfasst man ein Testament?

Jeder, der mit der im Gesetz geregelten Reihenfolge beim Erben nicht einverstanden ist, braucht ein Testament. 

  • Das Testament muss, wenn es nicht von einem Notar verfasst wird, vollständig eigenhändig, also handschriftlich verfasst, und mit Vor- und Zunamen sowie Ort und Datum unterschrieben werden.
  •  Auch die Erben sollte der Verfasser im Testament mit vollständigem Namen nennen, am besten mit Geburtsdatum. 
  • Das Testament sollte dann so verwahrt werden, dass die Erben es auch finden können. Um dies zu gewährleisten, sollte immer eine für den Erblasser vertrauenswürdige Person Kenntnis über die Existenz und den Aufbewahrungsort des Testaments haben. 
  • Die sicherste Methode der Aufbewahrung eines Testaments ist jedoch die amtliche Verwahrung beim Amtsgericht. 
  • Zudem sollte der letzte Wille klar und verständlich formuliert sein. Wer sich unsicher ist, sollte professionelle Hilfe bei einem Notar in Anspruch nehmen. 
  • Ein Testament sollte außerdem alle drei bis fünf Jahre überprüft und gegebenenfalls an die neuen, veränderten Lebensumstände angepasst werden. 
  • Im Falle einer Änderung sollte die ältere Version vernichtet werden. 

Vermächtnis und Vorausvermächtnis

Wer möchte, dass eine Person, die nicht zur Familie gehört und auch kein Erbe mit allen Rechten und Pflichten ist, ein Einzelstück aus seinem Nachlass bekommt, kann dies in Form eines Vermächtnisses im Testament festlegen.

Im Unterschied zum Erbe ist ein Vermächtnis eine einzelne Zuwendung – eine Geldsumme, ein Schmuckstück oder etwas anderes aus dem Besitz des Erblassers, das aus dem Gesamterbe herausgelöst wird und dazu auch gesondert ausgewiesen sein sollte. 

Es ist aber genauso auch möglich, im gleichen Testament jemanden als Erben einzusetzen und ihm gleichzeitig ein Vermächtnis zuzusprechen. Das Vermächtnis heißt dann Vorausvermächtnis, da es im Voraus, also vor der Erbteilung zu erfüllen ist. Die Erben erhalten das, was nach Erfüllung des Vorausvermächtnisses noch übrig bleibt.

Wie vererbt man Häuser, Schmuck oder Autos?

Oft gibt es Streit, wenn nicht nur Geld, sondern auch Immobilien, Schmuck oder Autos vererbt werden und im Testament nicht zugeordnet sind. Streit lässt sich verhindern, indem man im Testament konkret festlegt, wer welche Dinge bekommen soll. 

Freibeträge und Steuerklasse beachten

Nicht jeder ererbte oder geschenkte Euro muss versteuert werden. Viele Zuwendungen bleiben innerhalb der Steuerfreibeträge. 

  • Der Ehegatte oder eingetragene Lebenspartner hat einen Freibetrag von 500.000 Euro.
  • Kinder haben gegenüber jedem Elternteil einen Freibetrag von 400.000 Euro.
  • Enkelkinder können steuerfrei bis zu 200.000 Euro erhalten. 
  • Entfernte Verwandte oder Freunde und Bekannte haben dagegen lediglich einen Freibetrag in Höhe von 20.000 Euro.

Die Höhe der Erbschaft- bzw. Schenkungssteuer hängt aber nicht nur von den Summen ab, die übertragen werden. Entscheidend ist auch, welcher Steuerklasse der Empfänger angehört. Die Einteilung in eine Steuerklasse richtet sich nach dem Verwandtschaftsverhältnis zwischen Erblasser bzw. dem Schenker und der begünstigten Person.

Schenkungen

Wer seinen Nachkommen Erbschafts- und Schenkungssteuer ersparen will, kann wiederholt Teile seines Vermögens bereits zu Lebzeiten verschenken. Denn alle zehn Jahre gelten die oben erwähnten Freibeträge aufs Neue. 

Geschenke, die der Erblasser bis zu zehn Jahre vor seinem Tod gemacht hat, werden dem Nachlass, der für die Höhe des Pflichtteils ausschlaggebend ist, fiktiv hinzugerechnet . In welchem Umfang das geschieht, ist vom Zeitpunkt der Schenkung abhängig. Pro Jahr gewährt der Gesetzgeber einen Abschlag von 10 %. Nach Ablauf der Zehn-Jahres-Frist beträgt er im Idealfall sogar Null Euro.

Pflichtteilsanspruch beachten

Kinder und Ehepartner haben in Deutschland Anrecht auf einen Pflichtteil: Das ist die Hälfte dessen, was ihnen gesetzlich zusteht. Man kann also Ehepartner und Kinder nicht vollständig enterben. Es sei denn, sie sind wegen einer Straftat zu einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr ohne Bewährung verurteilt worden.

Gemeinschaftliches Testament

Ehepaare und eingetragene Lebenspartner haben mit einem sogenannten gemeinschaftlichen Testament die Möglichkeit, ihre jeweiligen Anordnungen miteinander zu verbinden. Ein Ehegatte schreibt seinen letzten Willen handschriftlich auf und beide Ehepartner unterschreiben. Zu beachten ist bei einem solchen Testament jedoch, dass die Verfügungen darin nach dem Tode eines Ehepartners nicht mehr geändert werden können. In der Regel bleibt der überlebende Ehepartner an das gemeinschaftliche Testament gebunden und kann es nicht mehr ändern.

Ehepaare mit Kindern entscheiden sich häufig für das sogenannte Berliner Testament, die gebräuchlichste Form eines gemeinschaftlichen Testaments. Darin setzen sich die Partner gegenseitig als Erben ein und bestimmen ihre Kinder als sogenannte Schlusserben. Das bedeutet, dass die Kinder erst erben, wenn auch der zweite Elternteil verstorben ist. Solche Testamente sind jedoch ebenfalls bindend. Ist einer der beiden gestorben, hat der überlebende Partner auch hier keine Möglichkeit mehr, den darin verfügten letzten Willen zu ändern. 

Paare ohne Trauschein und Stiefkinder

Nicht miteinander verheiratete oder lebensgemeinschaftlich eingetragene Partner erben automatisch gar nichts. Sie müssen mit einem im Testament verfügten Vermächtnis abgesichert werden. Ähnlich ist es bei Stiefkindern –  auch sie haben keinen Erbanspruch. 

Nachteil Erbengemeinschaft 

Erbengemeinschaften können zur Falle für die Familie werden, da sich alle gleichberechtigt einigen müssen. Soll zum Beispiel ein Haus weiter selbst genutzt oder verkauft werden? Wie und von wem soll der gegebenenfalls existierende Familienbetrieb weitergeführt werden? 

Wenn einer der Erben Geld braucht und die anderen können ihn nicht auszahlen, kann das in einer Zwangsversteigerung enden und der überlebende Ehepartner muss aus dem angestammten Haus ausziehen. 

Die Lösung ist hier eine klare testamentarische Verfügung, die dem Ehepartner ein lebenslanges Wohnrecht sichert oder die Betriebsnachfolge regelt. Solche Regelungen können langfristig über Erbverträge oder Abfindungsverträge für nicht erbende Kinder geregelt werden.

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