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Wege zur Entlastung

Am Anfang, sagt Petra, hatte sie gar nicht bemerkt, wie sehr der Druck der Pflege auf ihr lastete. Die anfänglich immer wiederkehrenden Erkältungen, die schlaflosen Nächte, in denen sie mit pochendem Herzen stundenlang wach im Bett lag, hatte sie erfolgreich verdrängt. Schlafprobleme hat doch jeder mal! Das wird schon wieder, hatte sie sich gedacht.

Erst als sie mitten im Supermarkt wegen einer Lappalie
(der Geldbeutel mit all dem Kleingeld war ihr auf den Boden gefallen) nicht mehr aufhören konnte zu heulen, musste sie sich eingestehen, dass sie mit ihren Nerven am Ende war. 

Petra ist nur ein Beispiel für die vielen pflegenden Angehörigen,
die durch die Mehrfachbelastung über ihre eigenen Grenzen hinausgehen. Sie verdrängen konsequent alle Alarmsignale, die der Körper und auch die Psyche sendet –angetrieben von dem Wunsch, alles schaffen zu können. Anderen gelingt es doch auch? Zumindest sieht es für die Mehrzahl so aus.

Doch wer hinter die Kulissen schaut, sieht, dass die Pflege in Kombination mit der eigenen Familie und dem Beruf nur bis zu einem bestimmten Punkt funktionieren kann. 

Die Fakten

  • Tatsache ist jedoch, dass laut des Pflegereports der DAK-Gesundheit 20 Prozent aller pflegenden Angehörigen in Deutschland unter einer Depression leiden.
  • In einer Forsa-Umfrage gaben 50 Prozent an, sich körperlich von der Pflegeüberfordert zu fühlen.
  • Zeitlich überfordert fühlen sich sogar 70 Prozent.

Sowohl die Belastung als auch die Überforderung steigen an,
wenn die zu pflegende Person zusätzlich dement ist. Bei jedem dritten Befragten ist das der Fall.

Umso wichtiger ist es für die pflegenden Angehörigen,
die Frühwarnsignale des Körpers rechtzeitig ernst zu nehmen und gleich zu Beginn der Pflege nach geeigneten Entlastungsmöglichkeiten zu suchen.

Mögliche Frühwarnsignale:

  • Immer wiederkehrende Infekte
  • Einschlaf- und Durchschlafprobleme
  • Herzrasen und Schwindel
  • Tinnitus
  • Extreme Stimmungsschwankungen

Woran erkennt man ein Burn-out?

Wenn Sie sich in einer ähnlichen Situation befinden, sollten Sie sich unbedingt Hilfe holen. Überprüfen Sie zunächst selbst, ob Sie kurz vor einem Burn-out stehen:

  • Sind Sie chronisch müde und ohne Antrieb? 
  • Werden die Tage immer häufiger, an denen Sie depressiv verstimmt sind? 
  • Finden Sie, dass Ihre Bemühungen nicht genug beachtet werden? Haben Sie das Gefühl, unfair behandelt zu werden? 
  • Zieht das Leben an Ihnen vorüber, und Sie haben keinen Anteil mehr daran? 
  • Leiden Sie an körperlichen Erkrankungen wie Herzrasen, Herzrhythmusstörungen oder Magen-Darm-Problemen? 
  • Bedeuten Ihnen plötzlich Dinge nichts mehr, die früher immer wichtig und schön für Sie waren? 

Wenn Sie hinter den meisten Fragen ein JA setzen können,
sollten Sie sich ernsthaft darüber Gedanken machen, zu einem Facharzt zu gehen. Er kann zwar nicht Ihr Leben ändern, aber er kann Ihnen helfen, einen Weg dafür zu ebnen.

Wie kann man ein Burn-out verhindern?

Wenn Sie merken, dass oben genannte Merkmale auf Sie zutreffen, sollten Sie sich der Situation stellen. Gestehen Sie sich zunächst selbst ein, dass Sie überlastet sind. 

Was tun, um Entlastung zu erfahren?

  • Gestehen Sie sich zunächst einmal selbst ein, dass Sie Erholung brauchen. Es ist auch Stärke, wenn man seine Schwäche erkennen kann. Sie sind auch wichtig!
  • Suchen Sie das Gespräch mit der Familie/mit Freundenund bitten Sie um Unterstützung.
  • Sprechen Sie, falls möglich, mit dem Menschen, den sie pflegen, und finden Sie bestenfalls eine gemeinsame Lösung.
  • Gehen Sie neue Wege in der Betreuung und nutzen Sie alle Möglichkeiten der professionellen Hilfe. 
  • Machen Sie einen Termin in einer Beratungsstelle in Ihrer Nähe. Geschulte Fachkräfte können Ihnen Lösungsvorschläge unterbreiten. 
  • Wenden Sie sich an unsere Mitgliederbetreuung. Wir beraten Sie gerne!

Tipp: Die Tagespflege wird nicht auf das Pflegegeld angerechnet, sondern separat abgerechnet. Somit ist die Tagespflege auch ein gangbarer Weg für finanziell schwache Familien!


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