Sie sind hier

Fragen zum Artikel?

Die häusliche Pflege durch nahe Angehörige stellt einen wesentlichen Eckpfeiler in unserer gesellschaftlichen Entwicklung dar. Die tägliche Grundpflege und hauswirtschaftliche Tätigkeiten können je nach dem Beeinträchtigungsgrad des Pflegebedürftigen eine starke Belastung für die Betreuungsperson darstellen.

Erholungspausen durch Urlaub oder Kur sind dann wichtig.
Zudem können Sie als pflegender Angehöriger auch einmal krank werden und unvorhergesehen ausfallen.

Auch ein Spannungsverhältnis zwischen Ihnen und der pflegebedürftigen Person, kann eine vorrübergehende Abgabe der Pflege nötig machen. Wer hilft, wenn Sie ausfallen?

Der Anspruch auf Verhinderungspflege zur Fortsetzung der häuslichen Pflege

Bei einem erforderlichen Urlaub, einer Kur oder Krankheit der Pflegeperson wird Pflegebedürftigen mit dem Pflegegrad 2 bis 5 eine Verhinderungspflege durch die Pflegekasse gewährt. Diese Möglichkeit besteht auch für den Fall, dass bislang eine Kombinationsleistung mit anteiliger Pflegeleistung durch Privatpflege und Pflegedienst gewährt wurde.

Voraussetzung ist, dass die private Pflegekraft die häusliche Pflege seit über 6 Monaten durchgeführt hat.

Die Verhinderungspflege kann im Wohnbereich des Pflegebedürftigen von Angehörigen, Bekannten oder ambulanten Pflegediensten geleistet werden.

  • Dabei kann eine Verhinderungspflege bedarfsgemäß auch nur für bestimmte Zeiten beansprucht werden.
  • Die maximale Bezuschussung durch die Pflegekasse für Pflegeleistungen beträgt 1.612 € für die Dauer von bis zu 6 Wochen.
  • Dabei führt die Verhinderungspflege nicht zur Einstellung des Pflegegeldes.

Die Kurzzeitpflege: vorrübergehende stationäre Pflege

Mit der Kurzzeitpflege ist die vollstationäre Unterbringung einer Person mit einem festgestellten Pflegegrad für eine begrenzte Zeit in einer Pflegeeinrichtung gemeint.

Die Kurzzeitpflege stellt eine professionelle Alternative für eine bestimmte Zeit zur Überbrückung von schwierigen Situationen in der häuslichen Pflege dar.

Die Erforderlichkeit einer solchen Maßnahme
kann nach einem Krankenhausaufenthalt des Pflegebedürftigen, aber auch durch Urlaub oder Krankheit der bisherigen Pflegekraft eintreten. Eine Kurzzeitpflege kann auf Antrag bis zu 56 Tage in Anspruch genommen werden. Die Pflegekosten werden innerhalb dieser Zeit von der Pflegekasse übernommen.

Ebenso haben Demenzkranke einen ausdrücklichen Anspruch auf Kurzzeitpflege.
Dies umfasst den Pauschalbetrag von 1.612 € und weitere 204 € für zusätzliche Betreuungsleistungen. Für die Kosten von Unterkunft und Verpflegung im Rahmen einer Kurzzeitpflege müssen Pflegebedürftige selbst aufkommen.

Besteht diese Möglichkeit nicht, zahlt das Sozialamt in Vorleistung für Angehörige mit Zahlungsverpflichtung gemäß den gesetzlichen Bestimmungen.

Fazit und weitere Hinweise für die Vertretung pflegender Angehöriger

Eine Fortsetzung der häuslichen Pflege kann durch nachfolgende Ersatzmaßnahmen gewährleistet werden:

  • Andere nahe Angehörige oder sonst nahestehende Personen übernehmen vorübergehend die Pflege.
  • Ein ambulanter Pflegedienst wird nach Absprache mit der Pflegeversicherung beauftragt.
  • Geeignete Kräfte, wie zum Beispiel professionelles Reinigungspersonal, kümmern sich ergänzend um Maßnahmen der hauswirtschaftlichen Versorgung
  • Verhinderungspflege zuhause bei Weiterzahlung des Pflegegeldes
  • Kurzzeitpflege (möglichst frühzeitig aufgrund der Nachfrage beantragen)
  • Die jährlichen Höchstleistungen für die Verhinderungs- und Kurzzeitpflege sind unter gegenseitiger Anrechnung bis zum Höchstsatz von 3.224 Euro kombinierbar.
  • Steuerliche Ermäßigungsmöglichkeiten im Einzelfall prüfen lassen.
  • Die Anspruchsgrundlage für einen Antrag auf Verhinderungs- oder Kurzzeitpflege bei der Pflegekasse finden Sie in den Bestimmungen des Zweiten Pflegestärkungsgesetzes.

Bild: © Photographee.eu / stock.adobe.com