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Seit 2017: Pflegegrade statt Pflegestufen

Am 1. Januar 2017 wurden aus den bisherigen Pflegestufen 0, 1, 2 und 3 die Pflegegrade 1, 2, 3, 4 und 5. Künftig erhalten alle Pflegebedürftigen gleichberechtigten Zugang zu den Leistungen der Pflegeversicherung, unabhängig davon, ob sie von körperlichen, geistigen oder psychischen Beeinträchtigungen betroffen sind.

Um zu bestimmen, wie selbstständig jemand noch handeln kann,
werden künftig anhand eines Fragenkatalogs mit 64 Kriterien sechs Lebensbereiche betrachtet und mittels Punktesystem erkennbare körperliche, geistige und psychische Einschränkungen erfasst. Die sechs geprüften Lebensbereiche fließen mit unterschiedlicher Gewichtung in die Gesamtbewertung ein. So erhält zum Beispiel der Bereich Selbstversorgung mehr Gewicht als der Bereich Mobilität.

Insgesamt gilt: Je mehr Punkte der Begutachtete erhält, einen umso höheren Pflegegrad und umso mehr Pflege- und Betreuungsleistungen genehmigt seine Pflegekasse.

Wer im Jahr 2016 bereits eine anerkannte körperliche Pflegebedürftigkeit hatte,
wird nicht erneut begutachtet. Die Überleitung in die neuen Pflegegrade erfolgt automatisch.

  • Bei Menschen mit ausschließlich körperlichen Einschränkungen
    gilt dabei die Regel „+1“. Das bedeutet zum Beispiel, dass Menschen mit ehemals Pflegestufe 1 nun Pflegegrad 2 zugesprochen bekommen usw.
  • Bei Menschen mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz
    gilt die Regel „+2“. Dies bedeutet, dass davon betroffene Menschen, die bisher keine Pflegestufe zugesprochen bekamen, nun automatisch in Pflegegrad 2 eingestuft werden und von der ehemaligen Pflegestufe 1 in Pflegegrad 3.

Wer bekommt Pflegegrad 1?

Wer in seiner Selbstständigkeit oder seinen Fähigkeiten nur geringgradig beeinträchtigt ist, wird in der Regel in den Pflegegrad 1 eingestuft.

Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn der Antragsteller nur unter mäßigen, rein motorischen Einschränkungen, zum Beispiel aufgrund von Wirbelsäulen- und Gelenkerkrankungen oder nach einem erlittenen Schlaganfall leidet, oder nur eine leichte Demenz hat und sich im Alltag zeitlich und auch örtlich noch gut zurechtfindet.

Auch Antragsteller, die selbst noch Entscheidungen treffen können und nur in bestimmten Bereichen eine helfende Hand benötigen, werden dem Pflegegrad 1 zugeordnet.

Wie hoch ist der Anspruch auf Pflegegeld?

Für den Pflegegrad 1 sind zwar keine Ansprüche auf Pflegegeld vorgesehen, wenn Angehörige einen Teil der Pflege übernehmen oder wenn es um Pflegesachleistungen durch einen professionellen Pflegedienst geht.

Allerdings steht Menschen, die in den Pflegegrad 1 eingestuft wurden,
ein Betrag von 125 Euro zu, der für Betreuungs- und Entlastungsleistungen, wie zum Beispiel für die Tages- und Nachtpflege sowie die Kurzzeitpflege, verwendet werden kann.

Ebenso haben Pflegebedürftige mit Pflegegrad 1 Anspruch auf:

  • Pflegeberatung für ihre Angehörigen
  • Beratung in eigener Häuslichkeit
  • Zuschüsse für medizinische Hilfsmittel und Pflegehilfsmittel in Höhe von bis zu 40 Euro monatlich
  • Anschubfinanzierung zur Gründung ambulant betreuter Wohngruppen in Höhe von 2.500 Euro pro Person bzw. 10.000 Euro pro Wohngruppe
  • 214 Euro monatlich für organisatorische und betreuende Hilfen in Pflege-WGs
  • Zuschüsse für Maßnahmen zur Verbesserung ihres eigenen Wohnumfeldes in Höhe von bis zu 4.000 Euro.

Die Leistungen in den fünf Pflegegraden (PG) im Überblick

  PG 1 PG 2 PG 3 PG 4 PG 5
Pflegegeld (ambulant)   316,00 € 545,00 € 728,00 € 901,00 €
Pflegesachleistung (ambulant)   689,00 € 1.298,00 € 1.612,00 € 1.995,00 €
Entlastungsbetrag (ambulant) 125,00 € 125,00 € 125,00 € 125,00 € 125,00 €
Leistungsbetrag (vollstationär) 125,00 € 770,00 € 1.262,00 € 1.775,00 € 2.005,00

Welche Form der Pflege kommt infrage?

  • Die stundenweise Betreuung sowie der ambulanter Pflegedienst
    Bei einem Pflegegrad 1 kann eine stundenweise Betreuung ebenso infrage kommen, wie auch ein ambulanter Pflegedienst zur medizinischen Betreuung, zum Beispiel zum Setzen von Spritzen.
  • Die Überleitungspflege
    Die Versicherten können zudem eine sogenannte Überleitungspflege in Anspruch nehmen. Diese Pflege nach der Entlassung aus dem Krankenhaus beinhaltet eine erweiterte Haushaltshilfe – und zwar analog den Regelungen der Pflegeversicherung, das heißt für maximal 4 Wochen bzw. 1.612 Euro pro Kalenderjahr.

Bild: © oliay / stock.adobe.com