Sie sind hier

Fragen zum Artikel?

Was ist Altersstarrsinn?

Pflegende Angehörige kennen das Problem, dass Menschen im Alter sehr starrsinnig reagieren. Auf gut gemeinte Ratschläge und Hilfen reagieren die Eltern, Vater oder Mutter, mürrisch oder sogar aggressiv. Dieses Verhalten kann sehr belastend sein, gerade wenn es um Pflege geht. 

Hilfe anzunehmen, fällt vielen alternden Menschen sehr schwer. Waren sie doch während ihres gesamten Lebens selbstständig und mobil. Doch plötzlich gelingen alltägliche Dinge nicht mehr und was bisher Routine war, wird plötzlich sperrig und schwer. Sich den Zerfall einzugestehen, dass die Zeit gegen sie ist und ihr Schicksal anzunehmen, fällt vielen Senioren verständlicherweise schwer. So ist es auch kein Wunder, dass es so manch einem schwer fällt, Hilfe von außen anzunehmen.  Versuchen Sie sich in die Person zu versetzen und halten Sie sich diese große und schwerwiegende Veränderung im Leben des Betroffenen vor Augen.

Vom Rat gebenden Elternteil zum pflegebedürftigen Menschen ist es ein großer Schritt.  Sich einzugestehen, dass es ohne Hilfe nicht geht, ist für viele daher belastend. Zumal die Eltern niemandem und schon gar nicht ihren Kindern zur Last fallen wollen. 

Was tun bei Altersstarrsinn?

Wechseln Sie die Perspektive! Um jemanden zu verstehen, der unter Altersstarrsinn leidet, hilft es oft, wenn Sie den Blickwinkel verändern. Betrachten Sie die Lage doch einmal aus Sicht Ihres pflegebedürftigen Angehörigen. Niemand ist gerne eine Last für andere und es ist nicht einfach zu akzeptieren, dass Dinge, die über Jahrzehnte selbstverständlich waren, nicht mehr funktionieren. Die Aussicht, dass es eher schlechter als besser wird, drückt auf die Stimmung und ist frustrierend. Nicht selten ist diese Lebensituation geprägt durch Missverständnisse.

Empfehlung

Broschüre "Pflege kann gelingen"

Eltern emfinden beispielsweise die Vorschläge ihrer Kinder als bevormundend. Sie haben Angst vor Veränderungen und wollen selbstbestimmt bleiben. Möglicherweise stehen beide Parteien mit dem Rücken an der Wand. Die Kommunikation innerhalb der Familie fällt immer schwerer. 
Befinden Sie sich in so einer Situation, kann es sinnvoll sein, einen Vermittler bzw. Mediator einzuschalten.

  • Jemand, der nicht in die Situation involviert ist, kann sowohl den pflegebedürftigen Menschen als auch den Angehörigen oftmals wertvolle Tipps geben.
  • Ein Vermittler geht unvoreingenommen an die Situation heran und kann Fehler und Probleme auf beiden Seiten aufzeigen.
  • Diese Personen können vom Pflegedienst kommen oder auch ehrenamtliche Helfer sein. Gegebenenfalls hilft es auch, den vertrauten Hausarzt, der die Familie seit Jahren kennt, hinzuzuziehen.

Ist Altersstarrsinn eine Krankheit?

Nein. Auch wenn viele Angehörige am liebsten hören würden, dass diese Form von Starrsinn im Alter behandlungsbedürftig ist, handelt es sich nicht um eine Krankheit. Es ist vielmehr eine natürliche Reaktion auf massive Veränderungen im Leben.

Hierbei hilft es meist nur, wenn die pflegenden Angehörigen versuchen, sich zurückzunehmen
Auch, wenn nur der beste Wille dahintersteckt, können gerade Kinder sehr belehrend auf ihre alten Eltern wirken. Sicher, Sie meinen es nur gut, aber der Rollenwechsel ist für die Eltern sehr schwer zu bewältigen und oftmals führen solche Dinge zu massiven Streitigkeiten. 

Dennoch: Tragen Sie die Last nicht alleine und suchen Sie auch das Gespräch innerhalb der Familie oder bei Freunden. 

Respektvoll mit Altersstarrsinn umgehen

Machen Sie sich klar, dass Ihr Angehöriger Sie nicht ärgern möchte, sondern oftmals aus purer Verzweiflung verbal um sich schlägt. Hilfe anzunehmen, ist kein leichter Prozess. 

Was tun bei altersstarrsinnigen Eltern?

Niemand, der klar bei Verstand ist, kann zu etwas gezwungen werden. Wer Hilfe konsequent ablehnt oder wenn Ihre gutgemeinten Ratschläge einfach nicht gehört werden, müssen Sie das akzeptieren. Ein Nein ist ein Nein und es ändert sich auch nichts daran, wenn die Person schon in einem betagten Alter ist. Selbstbestimmung, besonders im Alter ist ein hohes Gut, auch wenn es für pflegende Angehörige nicht immer einfach ist, das zu verstehen. 

Alterstarrsinn als emotionales Druckmittel

Bei allem Verständnis für die Situation des Pflegebedürftigen, müssen pflegende Angehörige auch an sich denken. Wenn der Vater oder die Mutter professionelle Hilfe konsequent ablehnt und zu hohe Erwartungen an die eigenen Kinder stellt, dürfen diese auch mal ablehnen. 

Einige Tipps helfen Ihnen dabei:

  • Versuchen Sie zu verstehen, warum die Person ablehnend reagiert.
  • Suchen Sie Hilfe von außen, wie z.B. einen Pflegedienst oder ehrenamtliche Helfer.
  • Binden Sie Dritte als Vermittler ein (Familienangehörige; Hausarzt; Pflegekraft; etc.)
  • Besuchen Sie unsere Community und tauschen Sie sich mit anderen Betroffenen aus.
  • In unserer unabhängigen Pflegeberatung geben wir Ihnen wertvolle Hinweise.

Lese-Tipp: Lesen Sie auch unseren Artikel "Was tun, wenn Hilfe verweigert wird."

Autorin: Martina Rosenberg
Titelbild: © 
YakobchukOlena / stock.adobe.com